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- 22.12.2004 Kriminelles Handwerk Gefälschte Arzneimittel verursachen in der Pharmabranche Verluste
im zweistelligen Milliardenbereich. Bei den Fälschungen handelt
es sich nicht nur um Originalprodukte in gefälschten Verpackungen,
sondern auch um unterdosierte oder gar völlig wirkungslose Arzneimittel.
Mittlerweile propagieren Packmittel- und Ettikettenhersteller eine Reihe
von Techniken, wie Sicherheitshologramme, thermoaktiven und lumineszierenden
Farben, miniaturisierten oder unsichtbaren Aufdrucke und DNS-Label.
Das Übel an der Wurzel packenIm letzten Jahr sind über graue Vertriebskanäle in Deutschland 5000 gefälschte Packungen aufgetaucht. Wären diese in der Apotheke über den Verkaufstisch gegangen, hätte das für den Hersteller einen Verlust von 1,3 Mio. Euro bedeutet. Und seit deutsche Apotheker fünf Prozent aller Medikamente aus dem Ausland importieren müssen, sind die Vertriebswege und Warenströme noch schwerer zu kontrollieren als bisher. Der Leidensdruck ist also da und vor allem Packmittel- und Ettikettenhersteller wittern das große Geschäft. So grübeln auch die Entwickler des Ettikettenherstellers Schreiner seit geraumer Zeit darüber nach, wie man Produktpiraten effektiv das Handwerk legt. Neben Ettiketten mit Sicherheits-Hologrammen, thermoaktiven und lumineszierenden Farben, miniaturisierten oder unsichtbaren Aufdrucke, sowie Guillochendruck bietet Schreiner ProSecure Microcodes an. Mit dem MicroCodeLabel kann man eine Lieferung über die gesamte Vertriebskette zurückverfolgen, da jeder berechtigte Abnehmer die Packung mit der verschlüsselten Hersteller- bzw. Kundennummer eindeutig identifizieren kann. Für die Identifizierung des Codes vor Ort braucht man keinen besonderen technischen Aufwand, ein Mikroskop reicht. Der Code selbst besteht aus mikroskopisch kleinen Kunststoffpartikeln, die aus bis zu zehn verschiedenen Farben zusammengesetzt sind. Dabei repräsentieren die Farbschichten einen Zahlencode. Insgesamt stehen über 4,3 Mrd. Basis- Farbcodes zur Verfügung mit denen Hersteller-, Kundennummern oder sonstige Informationen unsichtbar auf einem Produkt untergebracht werden können. Doch ob derlei ausgefeilte Technik das Übel tatsächlich an der Wurzel packen kann, ist für Peter Seidel, Verkaufsleiter bei Schreiner Medipharm fraglich. Denn er hat festgestellt, dass die Pharmaindustrie selbst nicht genau definieren kann was sie benötigt. Das fängt schon bei der Frage an: Wer muß erkennen, das er eine Fälschung in der Hand hat? Soll der Patient das Plagiat entdecken, der Apotheker oder bereits der Großhändler? Und schließlich sollen auch die Kosten nicht explodieren. Da die grauen Kanäle sich in rasender Geschwindigkeit öffnen und schließen, geht es für die meisten Arzneimittelhersteller zur Zeit in erster Linie erst einmal darum, ein Medikament über die Supply Chain hinweg zu verfolgen und Lücken innerhalb des Vertriebsnetzes zu entdecken. Arzneimittelpackungen schützen wie GeldscheineVor diesem Hintergrund vermarktet derzeit das Erlanger Unternehmen
November AG seine neueste Technik. Brandprotection, so der Name des
Systems, basiert auf einer verblüffend einfachen Idee. Selbstklebende
Mini-Ettiketten sind mit kurzen Stücken synthetischer einsträngiger
DNS getränkt. Mit Hilfe eines Detektorstiftes, der den komplementären
DNS-Strang enthält kann die im Etikett enthaltene DNS innerhalb
von zehn Sekunden identifiziert werden. Passen die beiden Stränge
zusammen, hybridisieren sie und senden dabei ein Leuchtsignal aus, das
von einem Lesegerät (MOBY B Scanner D, einer gemeinsamen Entwicklung
mit der Siemens AG), erkannt wird. Falsche Packungen lassen sich so
ohne Laboruntersuchung direkt vor Ort etwa beim Zoll oder in der Apotheke
identifizieren. Bristol-Myers Squibb in München implementiert Brandprotection
gerade unter dem Stichwort Arzneimittelsicherheit, um die Vertriebskette
eines Medikamentes zu überwachen. Gerhard Hunger, Verkaufsdirektor
von Bristol-Myers Squibb, der das Projekt angestoßen hat, hält
das genetische Ettikett für absolut fälschungssicher, da auf
Grund der unüberschaubaren Kombinationsmöglichkeiten der vier
Basen der DNS-Code nicht zu knacken sei. Zudem arbeiten die Erlanger
mit Netz und doppeltem Boden, denn selbst eine Analyse ist nicht möglich,
da das auf Kundenwunsch hergestellte DNS-Label mit einer Vielzahl an
Zufallssequenzen gemischt ist. Und wenn jemand die DNS chromatographisch
auftrennt, sind die Stücke so kurz, dass sie durch PCR nicht vervielfältigt
werden können. Autorin: © ANKE GEIPEL-KERN |
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