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- 01.10.2004 Zwerge mit Perspektive Immer kleiner und kleiner lautet das Motto bei den Bauteilen der Computertechnik. Doch was bringt die Miniaturisierung der Chemieindustrie? Lesen Sie, wie Minireaktoren die Chemie sicherer machen und die Produkte verbessern. Wie Gulliver im Lande Lilliput könnte sich künftig der Besucher
einer Chemiefabrik fühlen. Ähnlich wie in der Computerindustrie,
wo früher Computer ganze Hallen füllten, wollen Verfahrenstechniker
mit Bausteinen wie Mikroreaktoren, -mischern und -wärmetauscher
turmhohe chemische Anlagen zu Schuhkartonformat schrumpfen. "Zur
Zeit ist die Mikroverfahrenstechnik auf dem Sprung in die Produktion",
erklärt Volker Hessel, Leiter der Abteilung chemische Prozesstechnik
am Institut für Mikrosystemtechnik Mainz (IMM). Das 1991 gegründete
Institut beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Mikroverfahrenstechnik
und hat sich auf miniaturisierte Apparaturen für die chemisch-pharmazeutische
Industrie spezialisiert. Miniaturisierte Verfahren für die ChemieIm Foyer des IMM- Hauptquartiers in Mainz kann man miniaturisierte
Mischer, Wärmetauscher und Reaktoren besichtigen: Filigrane Edelmetallstrukturen
mit haarfeinen Kanälen, die gerade einmal so groß wie eine
Streichholzschachtel sind. Schwer vorstellbar, dass die Zwerge tonnenweise
Chemikalien ausspucken sollen. Aber es funktioniert tatsächlich:
Eine schuhkartongroße Technikumsanlage ist vor drei Jahren beim
Chemiekonzern Clariant in Frankfurt in Betrieb gegangen. Der hier installierte
Mikroreaktor liefert einen gelben Farbstoff der viel intensiver ist,
als die Farbe aus den großen Anlagen nebenan. "Die coloristischen
Eigenschaften, wie Farbstärke und Glanz sind unübertroffen,"
schwärmt Verfahrenstechniker Dr. Christian Wille. Das macht den
Farbstoff zum begehrten Artikel bei vielen Kunststoffherstellern, die
damit z. B. Schüsseln und Deckel färben. Wasserstoff für BrennstoffzellenSolche miniaturisierten Verfahren sind vor allem für Chemieunternehmen
interessant, die ähnlich wie Clariant teure Chemikalien für
Spezialanwendungen wie Katalysatoren und Enzyme herstellen. Hier besticht
die Aussicht, den Reaktoren höhere Ausbeuten abzuringen und so
den Gewinn zu steigern. So ist beim Feinchemikalienhersteller Degussa
im letzten Jahr in Hanau-Wolfgang ein Pilotreaktor Propenoxid in Betrieb
gegangen, ein Vorprodukt für Frostschutzmittel und Bremsflüssigkeit,
Bayer in Leverkusen stellt ein Antibiotikum im Mikroreaktor her und
Merck setzt bereits seit 1998 Mikroreaktoren für die Herstellung
von Flüssigkristallen ein. Auch für die Herstellung von Nanopulvern
bieten sich die Mikroreaktoren an. Mit Hilfe des MicroJetReactors©
können die Pulver mit einer besonders engen Partikelgrößenverteilung
und einheitlichen Morphologie für chemische, medizinische und kosmetische
Anwendungen produziert werden. Die IMM-Experten haben bereits erfolgreich
Acetylsalicylsäure (ASS) und Kalziumkarbonat-Pulver mit enger Partikelgrößenverteilung
synthetisiert, die sich besonders gut auflösen und in Kosmetika
verteilen lassen. Autorin: © ANKE GEIPEL-KERN |
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